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24.12.2008 |
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Landesbischöfin
Dr. Margot Käßmann
Weihnachten
2008
Am Heiligen Abend drängen die Menschen in
die Gotteshäuser. Mich freut das! Mitten
im Trubel des Weihnachtsfestes kommen sie zusammen, um sich
darauf zu besinnen,
warum wir dieses Fest feiern, miteinander zu singen und zu
beten, sich einzureihen
in die Festgemeinde rund um den Globus. Seien Sie willkommen
an diesem
Heiligen Abend! Schön, dass Sie den Weg durch diese Tür
gefunden haben.
„Ich bin die Tür“, sagt Jesus (Johannes
10,9). Das klingt ja ein bisschen merkwürdig.
Die anderen Ich-Bin-Worte Jesu sind gewiss leichter zu
verstehen: „Ich bin
der gute Hirte“ oder „Ich bin der Weg, die Wahrheit und
das Leben“. Aber: „Ich bin die
Tür“? Der Vers insgesamt lautet: „Ich bin die Tür,
wenn jemand durch mich hineingeht,
wird er selig werden“. So wird das leichter verstehbar.
Durch Jesus können wir
uns orientieren an Gottes Zukunft. Die ersten Schritte gehen
wir schon jetzt, wenn wir
uns Gott anvertrauen, Sterne der Hoffnung uns leiten. Und
eines Tages werden wir ganz
bei Gott sein in aller Fülle. Jesus ist die Tür zu einer
tieferen Dimension des Lebens.
Die Lichter, die wir heute anzünden, weisen den Weg
dorthin.
Als Christinnen und Christen haben wir ein
tiefes Gefühl für das Leben, für die Höhen
und Tiefen, für die Liebe wie für die Verletzbarkeit. Wir
fühlen uns verantwortlich
für andere Menschen. Und wir sehen uns verantwortlich vor
Gott für unser
Leben. Wir wissen uns geborgen, was immer auch geschieht:
wir können nicht tiefer
fallen als in Gottes Hand. Eine Hand wollen wir halten und
gehalten wissen wir uns.
Für uns ist der Tod keine Sackgasse, sondern im Sterben
sehen wir einen Übergang
in eine neue Existenz bei Gott.
Vielleicht denken Sie jetzt: das ist doch
nicht wirklich ein weihnachtliches Thema! Aber
mir ist genau das wichtig: Wir blenden an Weihnachten das
Schwere des Lebens nicht
aus. Viele von Ihnen sind heute Abend glücklich: die Kinder
freuen sich auf die Bescherung
oder sie sind nach Hause gekommen für diesen Abend. Freude
und Harmonie
sind wunderbar am Heiligen Abend. Vielleicht sitzen Sie aber
auch in der Kirche
erschöpft von all den Weihnachtsvorbereitungen und mit der
Befürchtung, es könnte
nicht „gelingen“, das Fest. Oder sie spüren Einsamkeit,
fühlen sich verlassen in Ihrer
Beziehung, einsam an diesem Ort, allein in Ihrem Leben.
Der Heilige Abend umfasst all unsere Gefühle
von Freude und Glück wie von Trauer
und Verlust. Er öffnet eine Tür zu Gott, der selbst in die
Welt kam. Wenn wir Glück
und wenn wir Trauer empfinden, weiß Gott wovon wir
sprechen, weil Gott diese Welt
kennt, denn Gottes Sohn wurde in einem Stall geboren.
Wie viele Türen durchschreiten wir im
Leben! Die Tür zu unserem „Zuhause“. Eine
Tür, hinter der ein Mensch krank liegt und wir wissen
nicht, wie es ihm geht, wie wir
ihm begegnen. Eine Tür, hinter der wir Sorgen wissen,
Auseinandersetzung. Eine Tür,
vor der uns bange ist, sie zu durchschreiten.
Mir scheint bei Begegnungen besonders
entscheidend, ob wir die Tür unseres Herzens
für den anderen Menschen öffnen. Porta patet, cor magis
– so lautet der Leitspruch
der Zisterzienser. Die Tür steht offen, noch mehr das Herz.
Oder auch: weit offen
die Tür, noch weiter das Herz. Das finde ich einen sehr anrührenden
Satz. Weil er
einlädt, die Menschen willkommen heißt. Allzu viele Türen
sind fest geschlossen, verriegelt
geradezu! Weihnachten ermutigt uns, die Tür für Menschen
in Not zu öffnen, für
andere, die uns brauchen. Und Weihnachten ermutigt, die Tür
unseres Herzens zu öffnen
für andere Menschen, für den Glauben an Jesus Christus.
Das
Kind, dessen Geburt wir heute feiern, hat als erwachsener
Mann Menschen von
der Liebe Gottes erzählt. Er hat andere angesehen mit Augen
der Liebe, auch wenn
ihr Leben nicht perfekt war, auf ganz geraden Wegen verlief.
Nehmen wir uns Zeit
dafür, am Heiligen Abend, wenn wir an der Krippe stehen,
auf unser Leben zu schauen
mit offenem Herzen auch für uns selbst.
Jesus ist für mich in der Tat die Tür zu
Gottes Liebe. Das heißt nicht Weltflucht, sondern
zeigt, wem ich mich anvertraue in dieser wie in der
kommenden Welt. Wir warten
auf die Ankunft Gottes jedes Jahr neu - weil uns das in
diese Welt geborene Kind
die Tür zu Gott geöffnet hat. Darauf vertrauen wir als
Kinder Gottes.
Ich
wünsche Ihnen gesegnete Weihnachten,
Ihre
Margot
Käßmann
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